Lobbyarbeit

Das AKTIVOLI-Landesnetzwerk setzt sich für gute Rahmenbedingungen für freiwilliges Engagement in unserer Stadt – und darüber hinaus – ein.

Teil unserer Lobbyarbeit ist die Entwicklung gemeinsamer Strategien mit anderen zivilgesellschaftlichen PartnerInnen, der Verwaltung, der Bürgerschaft und der Hamburger Öffentlichkeit. Ein sehr konkretes und umfassendes Instrument ist die Hamburger Engagementstrategie.

Aus der Sicht von staatlicher Verwaltung und Politik ist im besten Falle ein wichtiges Motiv für die Erarbeitung von Engagementstrategien, inhaltlich übergeordnete Themen (wie freiwilliges Engagement und Demokratiestärkung) sowie unzusammenhängende Mittelverwendungen quer durch Ressorts und Projekte durch eine kohärente Policy zu ersetzen, die über mehrere Jahre Wirkung entfalten kann.  

Auf Seiten von BürgerInnen und Zivilgesellschaft trifft das Angebot dieser Strategien auf das Interesse an kalkulierbaren, längerfristigen Maßnahmen und an einer verlässlichen Infrastruktur der Engagementförderung. Auch die Verständigung auf Augenhöhe darüber, wie gute Engagementpolitik und Engagmentförderung aussehen sollte, wird sehr geschätzt. Aus Sicht der Wirtschaft können Engagementstrategien wiederum attraktiv sein, weil sie den Rahmen für strategische Entscheidungen bei der Ausrichtung eigener Maßnahmen beim Corporate Volunteering, aber auch in den Bereichen von Corporate Citizenship oder Corporate Social Responsibility bieten können. 

Hamburger Engagementstrategie: Engagement für Alle

Die Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI)  hat die Engagementstrategie von 2014 fortgeschrieben. Die Bürgerschaft hat dieser Strategie noch in der letzten Legislatur zugestimmt. Das Kernziel lautet: Engagement für Alle.    

Umsetzungsplan der Stadt und weitere Informationen:

https://www.hamburg.de/engagementstrategie/13682724/strategie-umsetzung/

Acht Forderungen bestimmen nach den Vorstellungen der Politik und Verwaltung die Entwicklung des freiwilligen Engagements in Hamburg: 

1. Engagement im Sozialraum stärken 

2. Qualifizierung und Supervision ausbauen 

3. Chancen der Digitalisierung nutzen 

4. Austausch und Vernetzung fördern 

5. Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt verbessern 

6. Wertschätzung für Engagierte deutlicher erfahrbar machen 

7. Unterrepräsentierte Gruppen gezielter unterstützen 

8. Wirtschaft stärker einbinden 

Ergänzende Forderungen des AKTIVOLI-Landesnetzwerks

Das AKTIVOLI-Landesnetzwerk konkretisiert und ergänzt diese um weitergehende Forderungen für die Umsetzung. Freiwilliges Engagement ist ein unverzichtbarer Teil für das soziale Gefüge und somit auch ein wichtiges demokratiestärkendes Element für unsere Stadt.  

Wir ersuchen deshalb alle KooperationspartnerInnen in Politik und Zivilgesellschaft, freiwilliges Engagement stark und Hamburg als lebenswerten Ort mit gelebter Vielfalt, Respekt, Toleranz und Zusammenhalt zukunftsfähig zu machen.  

Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Armut und sozialer Isolation können nicht allein von Trägerorganisationen der sozialen Arbeit begegnet werden. Ohne maßgebliche Verbesserungen in der Infrastruktur zur Engagementförderung können wichtige Aufgaben und Ziele der neuen avisierten Strategie nicht realisiert werden. Eine bessere Infrastruktur bedeutet nicht weniger als die Unterstützung von Teilhabe aller Individuen und Gruppen an der Mitgestaltung unserer Gesellschaft und unseres Lebensraumes. 

Das AKTIVOLI-Landesnetzwerk empfiehlt demnach die inhaltliche Verbesserung und finanzielle Aufstockung in folgenden Punkten: 

1  Zusammenarbeit von Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik verbessern 

  • Planung von Umsetzungsschritten der neuen Engagementstrategie gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und Politik  
  • Erarbeitung neuer und direkterer Wege der trilateralen Zusammenarbeit, Sichtbarmachung und Zugänglichkeit zu bewährten Kooperationsformaten im Sinne von Open Government für mehr Transparenz und Teilhabe  
  • Verstetigung bezirklicher FreiwilligenkoordinatorInnen  

2  Bürgerschaftliches Engagement bedarf eines festen Budgets 

  • Auskömmliche und verlässliche finanzielle Förderung von Bürgerschaftlichem Engagement, um Engagement zu sichern 
  • Notwendigkeit von kontinuierlicher Finanzierung verstetigter Angebote und Förderung innovativer Projekte/Projektkonzepte 
  • Kontinuierliche Finanzierung von Freiwilligenmanagement, die sowohl Organisationen und Vereine als auch Freiwilligenagenturen unterstützt  
  • Hohe Transparenz bei der Vergabe von Fördermitteln im Bereich des Bürgerschaftlichen Engagements (BE), um die Arbeit des BE für die Öffentlichkeit sowie UnterstützerInnen nachvollziehbar zu machen und Vertrauen zu stärken  

3  Wertschätzung für Engagierte deutlich erfahrbarer machen 

  • Umsetzung der EngagementCard mit einem zusätzlichen Budget als Anerkennungsmaßnahme (digitales Portal mit Punktesystem*), Einführung von Bürgerbeteiligungsverfahren über verfügbare Angebote der EngagementCard  
  • Hamburger Nachweis in überarbeiteter Form als ein anerkanntes und bekanntes Zertifikat des freiwilligen Engagements 
  • Einrichtung eines Verfügungsfonds für Vereine zur Durchführung von Veranstaltungen zur Wertschätzung des Engagements 

4  Gezielte Unterstützung spezifischer Gruppen*  

*(U18, von Armut betroffene Menschen, Menschen mit Behinderung und Assistenzbedarfen, Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte)  

  • Dauerhafte Förderung von Pilotprojekten des inklusiven Engagements   
  • Stärkere Förderung bei der Kooperation mit Schulen, außerschulischen Bildungsträgern und weiteren NGOs, die Empowerment-Strategien, Know-how und Zugänge zu bestimmten Zielgruppen schaffen  
  • Finanzielle Mittel für mehr Begleitung, Assistenz, Beratung und Erprobung sowie eine zentrale Anlauf- und Vernetzungsstelle für Barrierenabbau im freiwilligen Engagement 

5  Orte und Räume zur Qualifizierung und Förderung des Engagements bereitstellen 

  • Realisierung eines Hauses des Engagements in zivilgesellschaftlicher Hand als Begegnungs- und  Beratungszentrum für freiwillige, zivilgesellschaftliche und staatliche Akteure des freiwilligen Engagements; Ausstattung dieses Hauses mit ausreichenden finanziellen Mitteln  
  • Weiterentwicklung des Engagements in den jeweiligen Sozialräumen  durch intensivere, öffentlichkeitswirksamere Netzwerkarbeit mit allen bestehenden Strukturen und Akteuren in den Bezirken, auch zur  Vermeidung von Doppelstrukturen; Steuerung  insbesondere auch durch das jeweilige Sozialraummanagement in den Bezirken  

6  Monetarisierung im Blick behalten 

  • Fortlaufende offene Diskussion von Chancen und Risiken der Monetarisierung im Engagement mit verschiedenen Akteuren  
  • Klare Abgrenzung zwischen Ehrenamt und bezahlter Tätigkeit auf Grundlage der Definition der Enquetekommission 

7  Wirtschaft in ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stärker einbinden 

  • Regelmäßige Treffen mit Wirtschafts- und Sozialresort und zivilgesellschaftlichen Akteuren des freiwilligen Engagements zur Entwicklung einer gemeinsamen Strategie 
  • Schaffung von Personalressourcen für die Herstellung und Sicherung von Verbindungen zu Hamburger Unternehmen bei geeigneten zivilgesellschaftlichen Akteuren, auch zur besseren Vernetzung von Stiftungen mit NGOs und Initiativen 
  • Einführung eines Runden Tisches mit „Engagementfreundlichen Unternehmen“ zur Entwicklung von Strategien der Kooperation, z. B. Ausbau von CSR und von Engagement von Unternehmen, Mitarbeitenden, zukünftigen RuheständlerInnen 

Hier zusammengefasst herunterzuladen:

Der Hamburger Senat hatte am 15. Juli 2014 die erste „Hamburger Strategie für freiwilliges Engagement 2020“ (Engagementstrategie 2020) beschlossen.

Diese erste Engagementstrategie bildete erstmals die bestehenden Ansätze der Freiwilligenarbeit ab und gibt Impulse für eine Weiterentwicklung des freiwilligen Engagements in Hamburg.

Die Hamburger Strategie für freiwilliges Engagement 2020“ entstand im Rahmen eines breit angelegten Beteiligungsprozesses unter Mitwirkung des AKTIVOLI -Landesnetzwerkes, von Vereinen, Stiftungen und rund 200 nicht organisierten Einzelpersonen (Jugendlichen, SeniorInnen, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung, Erwerbslosen) sowie gewerkschaftlichen und wirtschaftlichen Interessenverbänden. Darüber hinaus wurde der Prozess wissenschaftlich durch das Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) begleitet.

Schwerpunkt des Prozesses war die Ausarbeitung von Handlungsempfehlungen, die im Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Staat verbindlich umgesetzt und weiterentwickelt wurden. Unter anderem sollten Barrieren im Bereich des freiwilligen Engagements identifiziert und die Zugangschancen, zum Beispiel für Menschen mit Behinderung, erhöht werden. In 2019 werden Engagierte und Interessierte, Organisationen und Verbände eingeladen mit Politik und Verwaltung mit Unterstützung des Landesnetzwerkes über die Fortführung der Engagementstrategie ab 2020 zu diskutieren und Handlungsempfehlungen sowie Umsetzungsstrategien zu entwickeln.

Zur Historie: BBE-Dossier zu den ersten Landes-Engagement-Strategien:

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